Archiv der Kategorie: Demokratie
SPD leidet unter Braindrain – Nächster Überläufer zu den Piraten
Wie Steffen Uebele, Metzinger Stadtrat, in seinem gestern veröffentlichten “Offener Brief an die SPD und alle, die es hören wollen” feststellte, haben Bundestagspolitiker und auch die Abgeordneten seiner Partei massiv gegen Prinzipien des Grundgesetzes verstoßen:
Die Politik diskutiert viele Themen nur noch unter einem vorgeschobenen Deckmantel, der die moralische Richtigkeit des Vorgehens zweifelsfrei belegt, auch wenn das Ergebnis auf etwas anders abzielt. Und dabei verstoßen die Politiker massiv gegen die Grundgesetze, und haben dabei manche Grundrechte faktisch abgeschafft.
…
In den letzten Jahren beobachte ich einen Wandel in der Politik. Die Entstehung des Grundgesetzes beruhte auf mehreren Prinzipien, die die Idee des mündigen Bürgers, der Selbstregierung des Volkes durch das Volk sowie den Schutz des einzelnen Menschen vor dem Staat beinhalteten. Damals ging man davon aus, dass die Mehrheit der Bürger durchaus selbst wissen kann, was gut für sie ist, und nicht jede Straftat begeht, nur weil sie eine Möglichkeit hat. Daraus folgte, dass eine demokratisch gewählte Regierung die beste Staatsform ist, die die Interessen der Bürger vertritt und von ihr durch Wahlen kontrolliert werden kann. Der Staat sollte sich aus den privaten Belangen der Menschen heraushalten, sich auf die Regierung beschränken und dem Bürger gegenüber Rechenschaft tragen müssen.
Heute stellt sich die Situation anders dar: Es scheint die Meinung der Regierung zu sein, der Bürger müsse erzogen, kontrolliert, überwacht und zu seinem eigenen Besten durch Verbote von schädlichen Einflüssen ferngehalten werden. So wenig Vertrauen wird den Menschen noch entgegengebracht.
Er findet zu dieser Politik derzeit nur eine Alternative – die Piratenpartei:
Und leider gibt es nur eine Partei, die diese Themen ernsthaft bearbeitet: Diese hört auf den etwas ironischen Namen „Piraten-Partei“. Folglich werde ich diese Partei unterstützen, wählen, und auch in sie eintreten. Und ich würde mich freuen, wenn auch Sie sich diesen Schritt überlegen würden. Informieren Sie sich, und glauben Sie mir, es handelt sich nicht um eine Spaßpartei, sondern um eine ernsthafte Bewegung, die sich für Ihre Freiheit einsetzt. Und ich hoffe, dass auch Sie der Meinung sind, die Politik hat es derzeit nicht verdient, in Ruhe gelassen zu werden. Ein Erfolg der „Piraten“ wäre sicherlich ein Denkzettel für die anderen Parteien.
Als Emfehlung für die Zweitstimme gibt er die Piratenpartei an.
Damit ist Steffen Uebele der nächste Überläufer von der SPD zur Piratenpartei, für den das Thema der Bürgerrechte den Ausschlag gegeben hat.
Er wird wohl das SPD-Parteibuch behalten, denn:
Ich werde nicht aus der Partei austreten, da ich mich immer noch als Sozialdemokraten betrachte.
Willkommen in den Reihen der Piraten!
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Neuer Song gegen den Überwachungsstaat
by Credo:
Ein Lied, das zum Nachdenken bewegen soll über die momentane Situation in unserem ach so perfekten Staat, der uns jegliche Freiheit zu nehmen versucht. Wer seine Freiheit für Sicherheit aufgibt – verliert am Ende beides!
Und hier zum Downloaden als MP3.
Ein neuer Song gegen den Überwachungsstaat: http://wp.me/pBJT0-9S Please RT #Piratenpartei #Piraten #Überwachungsstaat #Song #Lied #btw09
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Demokratiesystem Deutschland – Ein Gespräch mit Herbert Rusche
Alexander Double im Gespräch mit Herbert Rusche, dem Grünen-Mitbegründer und Neu-Pirat.
Alexander Double: Wie vergleichen Sie die politische und gesellschaftliche Situation und Einbettung zwischen der Piratenpartei 2009 und den Grünen in den Siebzigern? Welche Parallelen gibt es?
Herbert Rusche: Ein Vergleich mit den Grünen ist nicht in allem sinnvoll und möglich. Eine Parallele besteht vor allem darin, dass ein wichtiges politisches Thema von den etablierten politischen Parteien (zu denen auch die Grünen mittlerweile schon lange gehören) vernachlässigt wurde. Es bildet sich daher außerhalb der bestehenden Parteien eine politische Kraft, der dieses Thema ein besonderes Anliegen ist.
Alexander Double: Wo sehen Sie die größten Demokratiedefizite des deutschen politischen Systems?
Herbert Rusche: Es gibt zu wenig “direkte” Demokratie.
Betroffenheit und daraus resultierende Sachkompetenz muss erst den Filter von Parteien und deren Ideologien durchlaufen bevor sie demokratisch wirksam werden kann. Bei den Grünen war der politische Wille ursprünglich einmal, den Menschen mit politischen Anliegen einen Zugang zu den Parlamenten zu ermöglichen. Mittlerweile züchten auch sie Berufspolitiker heran, wie alle anderen etablierten Parteien auch.
Mit den Piraten käme Jugend und Kompetenz direkt an ein politisches Mandat.
Alexander Double: Aus der Sicht einer jungen, aufstrebenden Partei ist die Benachteiligung durch die Massenmedien auffallend. Wahlergebnisse der Parteien im Bereich 1-2% werden nicht einmal genannt, die Kleinparteien werden totgeschwiegen, aus dem Bewusstsein des Wählers regelrecht ausgeblendet. Bei Öffentlich-Rechtlichen ist es besonders in der Vorwahlzeit inakzeptabel, denn diese erhalten vom Volk durch die GEZ-Gebühren einen Aufklärungsauftrag, der vor allem wenn es um die Wahl geht zu Geltung kommen sollte um dem Wähler vollumfänglich über alle ihm zu Wahl stehenden Optionen aufzuklären.
Wie sehen Sie diese Problematik in einer flexiblen Demokratie?
Herbert Rusche: Das ist heute nicht viel anders als vor 30 Jahren als die Grünen um eine parlamentarische Präsenz kämpften. Der Unterschied ist, dass die Grünen mittlerweile längst auf der anderen Seite angekommen sind und auch kein Interesse an potentieller Konkurrenz haben. Die Kritik der Grünen an der mangelnden medialen Präsenz “kleiner” Parteien war nur so lange zu hören, bis sie einigermaßen sicher und dauerhaft über der 5% Hürde waren.
Alexander Double: Das deutsche Wahlsystem ist voller Demokratiedefizite und bevorzugt Parteien, die bereits im Bundestag sitzen. Für eine neue Partei braucht es eines Wunders wie die Wiedervereinigung (Die Linke) oder mehrerer Umweltkatastrophen (die Grünen) um in den Bundestag zu kommen. Das System ist deshalb konservierend, starr und reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen wenn überhaupt mit deutlicher Verzögerung.
Wie sehen Sie da die Aufgabe der Piraten?
Herbert Rusche: Piraten sind da sicher eine politische Kraft, die neue Ansätze ausarbeiten wird für mehr sinnvolle direkte Demokratie.
Alexander Double: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Piratenpartei ein? Wird es den Piraten gelingen, den Bundestag zu entern? In welcher Zeitperspektive ist es denkbar?
Herbert Rusche: Ich sehe die Chancen als gut an und würde es mir und der Demokratie in Deutschland wünschen, dass die Piraten so schnell wie möglich politischen Einfluss nehmen können.
Interview: Demokratiesystem Deutschland – Ein Gespräch mit Herbert Rusche http://bit.ly/4fIKIF #Piratenpartei #Grüne #DieGrünen #btw09
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Neue Theorie der “Politikverdrossenheit”
Es wird immer vor den Wahlen viel über die vielbeschworene Politikverdrossenheit geredet, von den bei jeder Wahl sinkenden Wahlbeteiligung. Die Ursachen werden meist an der Volksentfremdung der Politiker oder der Qualität der Politik gesehen oder vielleicht auch daran, dass der Bürger nicht mehr glaubt, mit seiner Stimme irgendwas an der Politik ändern zu können.
Doch die Ursache kann bei näheren Hinsehen trivial sein.
Die meisten Bürgern ist es nicht klar, dass für jede Wahl sich um die 60 Parteien bewerben. Wie kommt es also, dass auf den Wahlzetteln nur 20 Parteien zur Verfügung stehen? Antwort: Es gibt in Deutschland ein Wahlzulassungsauschuss, der darüber befindet ob eine Partei sich so nennen darf und zur Wahl antreten darf. Da wird die sog. Parteieigenschaft festgestellt oder auch nicht. Dazu gehören solche Kriterien wie “Ernsthaftigkeit”, der “Wille am politischen Geschehen teilzunehmen” usw. Das Parteieigenschaftfeststellungsverfahren hat große Demokratie-Defizite und birgt ein enormes Misbrauchspotenzial. Lesen Sie hier mehr Details dazu.
Aber das ist hier nicht das Thema. Fakt ist, dass in solch einem Verfahren im Jahre 2009 28 Parteien von der Wahl ausgeschlossen wurden, 2005 waren es sogar 29 Parteien!
Nun könnte man behaupten, diese Parteien wären sowieso klein und nicht relevant. Da muss ich entgegenhalten: Ob eine Partei relevant ist oder nicht muss der Wähler entscheiden. Schliesslich stellt das Grundgesetz klar: “Alle Gewalt geht vom Volke aus”. Eine Kommission, wie immer die auch ausgestaltet sein mag, darf also im voraus die Wahl des Souveräns nicht einschränken. Aber auch dies ist hier nicht das Thema.
Typische Beispiele ausgeschlossener Parteien sind dieses Jahr die Freie Union, die Grauen und die Partei. Nun kann man von diesen Parteien halten was man will, aber eins ist klar: sie haben Mitglieder, Sympathisanten und Unterstützer. Die Freie Union hat um die 1000 Mitglieder, die Partei sogar ca. 6500!
Die letzte EU-Wahl hat gezeigt, dass für die Nicht-Bundestag-Parteien, die gewöhnlich unter Sonstige subsumiert werden, ca. 2,4 Mio Stimmen abgegeben wurden (Freie Wähler, die keine Parteistruktur und somit auch keine Mitglieder haben nicht mitgerechnet) und das bei insgesamt ca. 48 Tausend Mitgliedern bei alen diesen Parteien. Das macht einen Multiplikator von ca. 50 Stimmen für ein Mitglied jeder dieser 25 “kleinen” Parteien, die im Schnitt (gerundet) ca. 2.000 Mitglieder haben.
Nun schauen wir uns das mal an: Es wurden für die Bundestagswahl 28 Parteien ausgeschlossen, mal im Schnitt 2.000 Mitglieder mal Multiplikator 50 macht 28 x 2000 x 50= 2,8 Mio.
Also: Bei der Bundestagswahl 2009 wurden schon im Vorlauf der Wahlen 2,8 Mio Wähler an Ihrer Wahl behindert!
Was machen diese Wähler? Sicher wählen vielleicht manche das kleinste Übel aus den ihnen verbliebenen Alternativen, einige werden aus Protest ungültig wählen, aber die meisten werden einfach nicht zu Wahl gehen, nicht zu dieser, und vieleicht auch nie wieder! Und das fiese dran ist, dass diese Stimmen in KEINER Statistik auftauchen. Die laufen dann zusammen in der Spalte Nichtwähler und werden dann in verschiedenen Interviews, Stellungnahmen und Presseberichten mit dem Satz abgetan: “selber schuld wenn die nicht wählen wollen” oder “wer nicht wählt darf sich über Politik nicht beschweren”. Kann man den Leuten dann übel nehmen, dass Sie an der Sinnhaftigkeit des Wählens verzweifeln, wenn sie vom System so ausgetrickst werden? Das traurigste daran ist, dass das grade die politisch engagierten Leute sind, die sich auch über die Programme der kleinen Parteien informieren und dort vielleicht idealistisch mitmachen und die auf diese Art und Weise aus der Politik ausgeschlossen und Ihres Wahlrechts beraubt werden.
Aber lassen wir uns die langfristigen Auswirkungen dieses Prozesses vor Augen führen.
Wir nehmen vereinfachend an, dass 2/3 der “verhinderten” Wähler entweder eine andere Partei wählt oder ungültig aus Protest wählt oder nicht wählt aber dann vielleicht bei der nächsten Wahl wieder wählt, die anderen 1/3 wählt nie wieder, weil Sie entweder Mitglied einer Partei ist, die nicht anerkannt wurde oder vielleicht schon zum n-ten mal bei der Wahlzulassung enttäuscht wurde. Die Demokratie verliert also bei jeder Wahl ca. 1 Mio Wähler, die Wahlbeteiligung sinkt. Wenn wir uns zusammenrechnen, dass in den 20 Jahren seit der Vereinigung 6 mal das Wahlzulassungsverfahren durchgeführt wurde, dann sind alleine dadurch 6 Mio Wähler verloren gegangen. Bei ca. 62 Mio Wahlberechtigten macht es fast 10% aus!
Also meine Prognose für dieses Jahr: Wahlbeteiliung ca. 75%.
Fazit: Alleine durch das Wahlzulassungsverfahren sinkt die Wahlbeteiligung von Wahl zu Wahl beträchtlich und ist mit einer der wichtigsten Gründe für dieses Prozess, das als “Politikverdrossenheit” abgetan wird.
Langfristig schotten sich die Bundestagsparteien von den kleinen Parteien durch das System der “doppelten Sicherheit” ab. Im ersten Schritt muss eine neue Partei durch das Parteianerkennungsverfahren und den von den Bundestagspareien eingesetzten Wahlausschuss durch. Ist sie zu klein, fällt sie gleich durch. Ist sie größer, kann Sie als politische Bedrohung empfunden werden und mit einfacher Mehrheit aus der Wahl ausgeschlossen werden. Nimmt Sie diese Hürde, so muss sie noch die 5% Hürde knacken, damit sie in den Bundestag einzieht. Schafft eine Partei 2-3 mal nicht, beide Hürden zu überspringen, so verliert sie Mitglieder und Wähler, die an der Demokratie und dem Wahlsystem verzweifeln, zu Nicht-Wählern werden und aus jeglichen Statistiken verschwinden.
Es braucht schon eines Wunders wie die Wiedervereinigung (PDS/die Linke) oder mehrerer Umwelt-Katastrophen (Grüne), damit in Deutschland eine neue Partei die Chance hat in den Bundestag einzuziehen.




